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Degressive Abschreibung: Was bis Ende 2027 noch geht

18.000 Euro Aufwand statt 6.000 Euro im ersten Jahr: Wie die degressive Abschreibung rechnet, warum das Fenster am 31. Dezember 2027 schließt und wann sich der Wechsel lohnt.

Stefan Liffers Stefan Liffers Zuletzt aktualisiert am 03. November 2026 8 min read

Eine Maschine für 60.000 Euro, zehn Jahre Nutzungsdauer. Linear abgeschrieben ergibt das 6.000 Euro Aufwand im ersten Jahr. Degressiv sind es 18.000 Euro. Nach vier Jahren stehen 45.594 Euro Aufwand gegen 24.000 Euro. Die Differenz von 21.594 Euro bedeutet bei einer Steuerbelastung von 30 Prozent rund 6.478 Euro, die in den ersten vier Jahren im Unternehmen bleiben und erst in den späteren Jahren ans Finanzamt fließen.

Der Haken ist das Datum. Die degressive Abschreibung gilt nur für Wirtschaftsgüter, die zwischen dem 1. Juli 2025 und dem 31. Dezember 2027 angeschafft werden. Danach läuft die Regelung nach heutigem Stand aus. Wer bis Ende 2027 ohnehin investiert, entscheidet mit dem Anschaffungszeitpunkt über mehrere tausend Euro Liquidität.

Inhalt

Das Wichtigste zur degressiven Abschreibung

  • Der Satz beträgt das Dreifache der linearen Abschreibung, höchstens 30 Prozent vom Restbuchwert.
  • Begünstigt sind nur bewegliche Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens, die nach dem 30. Juni 2025 und vor dem 1. Januar 2028 angeschafft oder hergestellt werden.
  • Kleinere Betriebe mit höchstens 200.000 Euro Gewinn im Vorjahr können zusätzlich die Sonderabschreibung von bis zu 40 Prozent nutzen und so im ersten Jahr bis zu 70 Prozent der Anschaffungskosten absetzen.
  • Der Wechsel zur linearen Abschreibung ist erlaubt und lohnt sich gegen Ende der Nutzungsdauer, weil der Restwert sonst nur noch in kleinen Raten sinkt.

Was die degressive Abschreibung ist

Bei der linearen Abschreibung werden die Anschaffungskosten gleichmäßig auf die Nutzungsdauer verteilt. Bei der degressiven Abschreibung, kurz degressive AfA (Absetzung für Abnutzung), wird jedes Jahr ein fester Prozentsatz auf den jeweiligen Restbuchwert angewendet. Der Aufwand ist am Anfang hoch und sinkt von Jahr zu Jahr.

Der Prozentsatz darf höchstens das Dreifache des linearen Satzes betragen und 30 Prozent nicht übersteigen. So steht es in § 7 Abs. 2 EStG in der Fassung des Gesetzes für ein steuerliches Investitionssofortprogramm, verkündet am 18. Juli 2025. Praktisch heißt das: Ab einer Nutzungsdauer von zehn Jahren begrenzt der dreifache Satz, darunter greift immer der Deckel von 30 Prozent. Der Vorteil ist deshalb bei langen Nutzungsdauern am größten.

Die degressive Abschreibung senkt die Steuerlast nicht dauerhaft. Sie verschiebt sie. Über die gesamte Nutzungsdauer wird derselbe Betrag abgeschrieben, nur früher. Der Effekt ist ein Zins- und Liquiditätsvorteil, für GmbHs wegen der ab 2028 sinkenden Körperschaftsteuer zusätzlich ein Steuersatzvorteil.

Das Zeitfenster: 1. Juli 2025 bis 31. Dezember 2027

Die degressive Abschreibung ist in Deutschland eine wiederkehrende Krisenmaßnahme und war in den letzten Jahren mehrfach an und wieder aus. Für Anschaffungen vom 1. April bis 31. Dezember 2024 galt sie mit 20 Prozent aus dem Wachstumschancengesetz. Vom 1. Januar bis 30. Juni 2025 gab es sie gar nicht. Seit dem 1. Juli 2025 gilt sie mit 30 Prozent, befristet bis zum 31. Dezember 2027.

Maßgeblich ist der Zeitpunkt der Anschaffung, nicht der Bestellung, der Rechnung oder der Zahlung. Angeschafft ist ein Wirtschaftsgut, wenn Besitz, Gefahr, Nutzen und Lasten auf dich übergehen, in der Regel also bei Lieferung. Baut der Verkäufer die Anlage vertragsgemäß bei dir auf, zählt erst das Ende der Montage, bei einer vereinbarten Abnahme unter Umständen erst die Abnahme. Bei langen Lieferzeiten entscheidet das über die Anwendbarkeit: Eine im November 2027 bestellte Anlage, die erst im Februar 2028 geliefert wird, fällt aus der Regelung heraus.

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Welche Wirtschaftsgüter begünstigt sind

Begünstigt sind ausschließlich bewegliche Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens: Maschinen, Fahrzeuge, technische Anlagen, Betriebs- und Geschäftsausstattung. Computer, Notebooks und kleinere Server schreibst du dagegen meist ohnehin im Anschaffungsjahr komplett ab, weil die Finanzverwaltung dafür eine Nutzungsdauer von einem Jahr akzeptiert. Gebrauchte Wirtschaftsgüter sind ebenfalls begünstigt, das Gesetz verlangt keine Neuanschaffung.

Nicht begünstigt sind Gebäude und andere unbewegliche Wirtschaftsgüter, immaterielle Wirtschaftsgüter wie Lizenzen oder ein Firmenwert sowie das gesamte Umlaufvermögen. Wirtschaftsgüter bis 800 Euro netto kannst du sofort abziehen. Für Wirtschaftsgüter über 250 bis 1.000 Euro netto gibt es alternativ den Sammelposten, der über fünf Jahre gleichmäßig aufgelöst wird und dann für alle Anschaffungen dieser Preisklasse im Jahr gilt. Die degressive Abschreibung lohnt sich deshalb vor allem bei größeren Investitionen.

Auch wer keine Bilanz aufstellt, sondern eine Einnahmenüberschussrechnung macht (die vereinfachte Gewinnermittlung für Freiberufler und kleinere Gewerbetreibende), kann degressiv abschreiben. Voraussetzung ist ein laufend geführtes Anlagenverzeichnis, in dem für das Wirtschaftsgut Anschaffungstag, Anschaffungskosten, Nutzungsdauer und die jährliche Abschreibung stehen. Fehlt es, erkennt das Finanzamt die degressive Abschreibung nicht an. Das Wahlrecht wird für jedes Wirtschaftsgut einzeln ausgeübt.

Degressiv oder linear: die Rechnung

Das Beispiel aus der Einleitung, eine Maschine für 60.000 Euro mit zehn Jahren Nutzungsdauer, angeschafft im Januar. Linear sind das 10 Prozent, also 6.000 Euro jährlich. Degressiv sind es das Dreifache, also 30 Prozent vom jeweiligen Restbuchwert.

JahrDegressiv (30 Prozent)Linear (10 Prozent)
118.000 Euro6.000 Euro
212.600 Euro6.000 Euro
38.820 Euro6.000 Euro
46.174 Euro6.000 Euro
Summe Jahre 1 bis 445.594 Euro24.000 Euro

Ab dem fünften Jahr kehrt sich das Bild um: Die degressiven Beträge fallen unter die 6.000 Euro der linearen Abschreibung, weil sie auf einen immer kleineren Restbuchwert bezogen werden. Der Wechsel zur linearen Abschreibung lohnt sich trotzdem erst später, im Beispiel ab dem achten Jahr, wie der nächste Abschnitt zeigt.

Wichtig ist die zeitanteilige Kürzung im Anschaffungsjahr. Wird dieselbe Maschine erst im Juli angeschafft, sind im ersten Jahr nur sechs Zwölftel absetzbar, also 9.000 Euro statt 18.000 Euro. Die Restbuchwerte und damit alle Folgejahre verschieben sich entsprechend.

Der Wechsel zur linearen Abschreibung

Weil die degressive Abschreibung immer nur einen Prozentsatz des Restbuchwerts erfasst, wird der Restbuchwert rechnerisch nie null. Der Wechsel zur linearen Abschreibung ist deshalb erlaubt. Ab dem Wechsel wird der verbleibende Restwert gleichmäßig auf die Restnutzungsdauer verteilt. Der umgekehrte Weg, von linear zu degressiv, ist ausdrücklich unzulässig.

Der optimale Wechselzeitpunkt ist erreicht, sobald der lineare Betrag aus Restbuchwert geteilt durch Restnutzungsdauer größer ist als der degressive Betrag. Bei 30 Prozent ist das der Fall, wenn die Restnutzungsdauer unter etwa 3,3 Jahre fällt. Im Beispiel oben ist das zu Beginn des achten Jahres: Der Restbuchwert von 4.941 Euro geteilt durch drei Jahre ergibt 1.647 Euro und damit mehr als die 1.482 Euro, die degressiv noch möglich wären.

Degressive Abschreibung mit Sonderabschreibung kombinieren

Neben der degressiven Abschreibung ist die Sonderabschreibung von bis zu 40 Prozent möglich (§ 7g Abs. 5 EStG). Das Gesetz lässt sie ausdrücklich neben der linearen wie der degressiven Abschreibung zu. Voraussetzung ist unter anderem, dass der Gewinn im Vorjahr 200.000 Euro nicht überschritten hat und das Wirtschaftsgut nahezu ausschließlich betrieblich genutzt wird.

Im Beispiel bedeutet das: 18.000 Euro degressive Abschreibung plus 24.000 Euro Sonderabschreibung, zusammen 42.000 Euro und damit 70 Prozent der Anschaffungskosten im ersten Jahr. Vorgelagert lässt sich zusätzlich ein Investitionsabzugsbetrag nutzen, der bis zu 50 Prozent der voraussichtlichen Anschaffungskosten bereits vor der Investition abzieht. Rechnest du ihn bei der Anschaffung auf die Kosten an, sinkt die Basis für degressive Abschreibung und Sonderabschreibung entsprechend, der Vorteil entsteht also nicht doppelt. Auch hier gilt die Gewinngrenze von 200.000 Euro.

Elektrofahrzeuge folgen eigenen Regeln

Für rein elektrische Fahrzeuge des Anlagevermögens, neu oder gebraucht, die zwischen dem 1. Juli 2025 und dem 31. Dezember 2027 angeschafft werden, gibt es eine eigene Staffel: 75 Prozent im Anschaffungsjahr, dann 10, 5, 5, 3 und 2 Prozent. Die Prozentsätze beziehen sich anders als bei der degressiven Abschreibung auf die ursprünglichen Anschaffungskosten, nicht auf den Restbuchwert.

Zwei Besonderheiten sind entscheidend. Erstens gibt es keine zeitanteilige Kürzung, die vollen 75 Prozent gelten auch bei Anschaffung im Dezember. Zweitens schließt die Staffel die Sonderabschreibung aus, anders als die reguläre degressive Abschreibung. Plug-in-Hybride fallen nicht unter diese Staffel, für sie bleibt die reguläre degressive Abschreibung.

Warum das Timing gerade jetzt doppelt zählt

Ab dem Veranlagungszeitraum 2028 sinkt die Körperschaftsteuer in fünf Schritten von 15 Prozent auf 10 Prozent, jeweils um einen Prozentpunkt pro Jahr. Für Personenunternehmen sinkt parallel nur der Thesaurierungssteuersatz, also der ermäßigte Satz für Gewinne, die im Unternehmen bleiben.

Für eine GmbH folgt daraus eine einfache Logik: Ein Euro Aufwand ist umso wertvoller, je höher der Steuersatz im Jahr des Abzugs ist. Wer Aufwand in die Jahre 2026 und 2027 zieht, nutzt ihn noch zum Körperschaftsteuersatz von 15 Prozent. Für Einzelunternehmer und Personengesellschaften sinkt der normale Einkommensteuertarif nicht, dort hängt der Vorteil von deinem persönlichen Steuersatz in den jeweiligen Jahren ab. Das Fenster der degressiven Abschreibung endet genau am 31. Dezember 2027 und damit unmittelbar vor der ersten Senkungsstufe. Beide Effekte zeigen in dieselbe Richtung.

Typische Fehler bei der degressiven Abschreibung

  • Stichtag übersehen: Anschaffungen zwischen dem 1. Januar und dem 30. Juni 2025 sind nicht begünstigt, eine Rückwirkung gibt es nicht.
  • Anschaffungszeitpunkt falsch bestimmt: Maßgeblich ist der Übergang von Nutzen und Lasten, nicht Bestellung, Rechnungsdatum oder Zahlung.
  • Zeitanteilige Kürzung vergessen: Sie gilt bei der degressiven Abschreibung, nicht aber bei der Elektrofahrzeug-Staffel und nicht bei der Sonderabschreibung.
  • Wechsel zur linearen Abschreibung nicht eingeplant: Ohne Wechsel bleibt bis zum Verkauf oder zur Verschrottung ein Restbuchwert stehen, und du verschenkst in den letzten Nutzungsjahren Abschreibung.
  • Sonderabschreibung vorschnell verworfen: Die Kombination mit der degressiven Abschreibung ist zulässig. Bei Elektrofahrzeugen musst du wählen, entweder die Elektrofahrzeug-Staffel mit 75 Prozent im ersten Jahr oder degressive Abschreibung plus Sonderabschreibung. Im ersten Jahr bringt die Staffel fast immer mehr, vor allem bei Anschaffung spät im Jahr.
  • Handelsbilanz nicht mitgedacht: Steuerlich darfst du degressiv abschreiben, auch wenn deine Handelsbilanz linear abschreibt. Weichen beide voneinander ab, muss das Wirtschaftsgut aber in einem gesonderten, laufend geführten Verzeichnis stehen, sonst erkennt das Finanzamt die degressive Abschreibung nicht an. Wie die Abweichung im handelsrechtlichen Jahresabschluss abzubilden ist, wird im Einzelfall geprüft.

Wie sich Abschreibungen und andere Bilanzeffekte im Jahresabschluss zusammenfügen, zeigt der Beitrag Jahresabschluss für GmbHs. Wer stattdessen in eigene Softwareentwicklung investiert, findet die passende Förderung im Beitrag Forschungszulage für Softwareunternehmen.

Investitionen planen, solange das Fenster offen ist

Skalar denkt Gestaltung mit, statt nur zu deklarieren: von der Frage, welcher Anschaffungszeitpunkt der richtige ist, bis zur laufenden Buchhaltung, in der die Abschreibung sauber ankommt.

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FAQ zur degressiven Abschreibung

Was ist die degressive Abschreibung?

Die degressive Abschreibung ist eine Abschreibung in fallenden Jahresbeträgen. Du rechnest jedes Jahr mit demselben Prozentsatz, aber von einem Restbuchwert, der nach jeder Abschreibung kleiner wird. Dadurch ist der Aufwand in den ersten Jahren deutlich höher als bei der linearen Abschreibung.

Wie hoch ist die degressive Abschreibung 2026?

Die degressive Abschreibung beträgt höchstens das Dreifache des linearen Satzes und höchstens 30 Prozent vom Restbuchwert. Bei einer Nutzungsdauer von zehn Jahren sind das 30 Prozent, bei fünf Jahren ebenfalls 30 Prozent, weil der Deckel greift.

Bis wann gilt die degressive Abschreibung?

Die degressive Abschreibung gilt für Anschaffungen vom 1. Juli 2025 bis zum 31. Dezember 2027, danach läuft sie nach heutigem Stand aus. Entscheidend ist der Tag, an dem dir das Wirtschaftsgut geliefert oder die Montage abgeschlossen wird, nicht das Datum von Bestellung oder Rechnung.

Für welche Wirtschaftsgüter gilt die degressive Abschreibung?

Begünstigt sind bewegliche Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens wie Maschinen, Fahrzeuge, technische Anlagen und Betriebsausstattung, auch gebrauchte. Nicht begünstigt sind Gebäude, immaterielle Wirtschaftsgüter und das Umlaufvermögen.

Kann man von degressiver auf lineare Abschreibung wechseln?

Ja, der Wechsel von der degressiven zur linearen Abschreibung ist zulässig und lohnt sich in den letzten Nutzungsjahren, bei 30 Prozent etwa ab einer Restnutzungsdauer von gut drei Jahren. Der Restwert wird dann gleichmäßig auf die verbleibenden Jahre verteilt. Zurück von linear zu degressiv geht es nicht.

Lässt sich die degressive Abschreibung mit der Sonderabschreibung kombinieren?

Ja, die degressive Abschreibung lässt sich mit der Sonderabschreibung von bis zu 40 Prozent kombinieren, wenn dein Betrieb im Jahr vor der Anschaffung höchstens 200.000 Euro Gewinn gemacht hat und das Wirtschaftsgut im Anschaffungs- und im Folgejahr zu mindestens 90 Prozent betrieblich genutzt oder vermietet wird. Bei Anschaffung im Januar sind damit im ersten Jahr bis zu 70 Prozent der Anschaffungskosten absetzbar. Bei Elektrofahrzeugen geht das nur, wenn du statt der Elektrofahrzeug-Staffel die reguläre degressive Abschreibung wählst.

Gilt die degressive Abschreibung auch bei der Einnahmenüberschussrechnung?

Ja, die degressive Abschreibung steht auch bei der Einnahmenüberschussrechnung offen. Führe das Wirtschaftsgut dafür mit allen Angaben zur Anschaffung und Abschreibung in deinem Anlagenverzeichnis, sonst streicht das Finanzamt die degressive Abschreibung.

Maßgeblich für Leistungsumfang und Preis ist ausschließlich die individuelle Vergütungsvereinbarung. Dieser Artikel beschreibt das typische Skalar-Modell und begründet keine Ansprüche.

Stefan Liffers

Stefan Liffers

Stefan ist Steuerberater für digitale Geschäftsmodelle bei Skalar. Aus der Arbeit mit E-Commerce, SaaS und Beteiligungsgesellschaften kennt er die Praxis wachsender Unternehmen. Er zeigt, wie automatisierte Steuerprozesse Gründern Freiraum schaffen.

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